Ich lehn′ am Fenster, trüb′ und still,

Hab′ Vieles überdacht,

Die Dämm′rung schwand mir unbemerkt,

Es naht sich schon die Nacht.

Die Häusermassen liegen da,

Von Nebel grau umwebt,

Als wären sie verlassen all′

Und gänzlich unbelebt.

Doch sieh! da blitzet fern ein Licht

Und wieder eins empor,

Bald glänzt aus allen Fenstern fast

Der helle Schein hervor.

Da weilen rings die Menschen nun

In Freude oder Schmerz,

Da regt sich manche fleiß′ge Hand,

Manch ungestümes Herz.

Was doch an Hoffnung Lust und Leid

Ein einz′ges Haus enthält,

Denn jedes Menschen Herz umschließt

Die ganze, eigne Welt.

Und in so kleinem Raume spinnt

Manch reiches Loos sich ab;

Dann gehen wir aus engem Raum

Zum engsten, in das Grab.

So kurz ein Tag! und wieviel birgt

Ein Tag an Lust und Leid,

Und aus wie wenig Tagen webt

Sich eine Lebenszeit!

Und wieder ist nach kurzer Frist

Ein Lebenstag verbracht

Habt gute Nacht, ihr Müden all′,

Von Herzen gute Nacht!


Das Gedicht "Am Fenster" stammt von   (1815 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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