Woher das Unglück stamme,

Das stets bei mir sich hält?

Es trat am gleichen Tage

Mit mir einst in die Welt.

Als Kind in meiner Wiege,

Da ruht′ ich nicht allein,

Es schlief an jedem Abend

Mein Unglück mit mir ein.

Und weckte mich am Morgen

Der Sonne Strahlenlauf,

So wachte auch das Unglück

Mit mir gleich wieder auf.

Und als ich größer wurde,

Da wuchs mein Unglück mit,

Es folgte mir beständig,

Getreu bei jedem Schritt.

So ist es denn geblieben

Stets bei dem alten Brauch,

Denn wo ich nur erscheine,

Da ist mein Unglück auch.

Nur hat es jetzt am Tage

Nicht einmal immer Raum,

Es schleicht sich gar zu häufig

Auch noch in meinen Traum.

Ich trag′ es stets im Innern,

Trotz all dem äußern Scherz,

Ganz groß ist es geworden

Und bricht mir nun das Herz.


Das Gedicht "Nach Heine" stammt von   (1815 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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