Als der Herr die Ros’ erschaffen,

Sprach er: du sollst blühn und duften!

Als er hieß die Sonne werden,

Sprach er: du sollst glühn und wärmen!

 

Als der Herr die Lerch’ erschaffen,

Sprach er: flieg’ empor und singe!

Als geformt des Mondes Scheibe,

Sprach er: rolle hin und leuchte!

 

Als der Herr das Weib erschaffen,

Sprach er: sei geliebt und liebe!

Aber als er dich erschaffen,

Hat er wohl dieß Wort vergessen.

 

Denn wie könntest du sonst sehen

Mond und Sonne glühn und leuchten,

Rosen blühen, Lerchen steigen,

Und geliebt sein und – nicht lieben?


Das Gedicht "Bestimmung" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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