Da war einmal ein kleiner Dieb,

Der stahl ein Brod dem Kind zulieb,

Und wurde schier gefangen,

Und konnte erst in Jahr und Stund,

Trotz sein und seines Weibes Mund,

Die Freiheit wieder erlangen.

 

Dem Andern war's Glück auch nicht hold:

Stahl einem Filz 'nen Sack mit Gold

Durch Einbruch still und nächtens;

Und eh' noch ein halb Jahr verging,

Er am Gevatter Dreibein hing,

Und das von wegen Rechtens.

 

Der Dritte war ein großer Dieb,

Der stahl sich ganz allein zulieb

Der Menschen Ehr' und Rechte,

Und Städt' und Länder obendrein:

Dem thäten sie Ruhmesopfer weih'n,

Und dienten ihm wie Knechte.

 

Nun weiß ich doch wahrhaftig nicht,

Wie solch ein dummes Ding geschicht,

Und müßte doch vermeinen,

Daß, wenn euch Gott das Urtheil lenkt',

Der dritte Dieb viel höher hängt,

Als wie die beiden kleinen!


Das Gedicht "Die Diebe" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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