Ja, eben weil Du ein Tyrann,

Du alter Adel: Brauch,

Drum achtet dich kein freier Mann,

Drum hassen wir dich auch!

Drum ist aus deiner Despotie

Kraft und Schönheit verbannt;

Drum hat noch nimmer ein Genie

Bestrahlt dein traurig Land!

 

Drum ist das Höchste uns der Geist,

Die Freiheit und die Kunst,

Drum Alles, was dein Hof anpreist,

Nur eitel Trug und Dunst!

Geborner Größe lachen wir

Drum höhnisch in′s Gesicht;

Drum beugt der Edle sich vor dir

Und deinen Vettern nicht!

 

Ja, eben weil Du ein Tyrann,

Du alter Adel: Brauch,

Drum achtet dich kein freier Mann,

Drum hassen wir dich auch!

Drum sind uns Sterne, Orden, Gold

Beweise nie des Werth′s;

Doch ist das arme Volk uns hold,

Schlägt stolzer unser Herz!

 

Drum schaun am Strick′ nicht, im Ornat

Die größten Schurken wir;

Drum schimpfen wir, wie′s Luther that,

Was sich beschimpft in dir!

Drum lachen wir, wenn über uns

Dein Orden Wehe! schreit:

Wir fragen nicht nach Hinz und Kunz,

Wenn uns ein Gott gebeut!

 

Ja, eben weil du ein Tyrann,

Du alter Adel: Brauch,

Drum achtet Dich kein freier Mann,

Drum hassen wir dich auch!

Gelobt sei Gott, schon wankt dein Thron!

Dich schützt kein Adel mehr!

Mit Dolchen gehn die Geister schon

An deinem Schloß′ umher.


Das Gedicht "Usus est Tyrannus!" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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