Vor Zeiten war ein Herzog hoch,

Der wohl sein armes Land betrog;

Der war bei seinem Volk verhaßt,

Als wie der Gottseibeiuns fast.

 

Da plötzlich schon früh Morgens stund

Ein Tambour in des Schlosses Rund,

Der hatte gar ein bleich Gesicht,

Und blickte stier, wie Menschen nicht.

 

Der trommelte in wildem Drang,

Daß wohl dem Besten wurde bang:

Rundherum, rundherum am Thron

Rebellion, Rebellion, Rebellion!

 

Dem Herzog fährt es durch den Leib;

Er zittert wie ein schwaches Weib;

Kaum hat er Kraft zu diesem Wort:

Schafft mir den bleichen Tambour fort.

 

Der Tambour trommelt immerzu,

Und sonder Rast und sonder Ruh′:

Rundherum, rundherum am Thron

Rebellion, Rebellion, Rebellion!

 

Es lauft hinab die Höflingsschaar;

Sie fand nicht, wo der Schrecken war;

Hat Nichts gesehn, hat Nichts gehört,

Und glaubt, der Herzog sei bethört.

 

Der Tambour trommelt immer zu,

Und sonder Rast und sonder Ruh:

Rundherum, rundherum am Thron

Rebellion, Rebellion, Rebellion!

 

Der Herzog wurde matt und krank,

Es klang ihm schon wie Grabgesang;

Er schrie vor Schmerz, er schrie vor Wuth,

Verzweifelt war sein böser Muth.

 

Der Tambour trommelt immerzu,

Und sonder Rast und sonder Ruh′:

Rundherum, rundherum am Thron

Rebellion, Rebellion, Rebellion!


Das Gedicht "Der Tambour" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte