Schlaf, mein Küken; Racker, schlafe!

Kuck: im Spiegel stehn zwei Schafe,

bläkt ein großes, mäkt ein kleines,

und das kleine, das ist meines!

Bengel, Bengel, brülle nicht,

du verdammter Strampelwicht.

 

Still, mein süßes Engelsfüllen:

morgen regnet′s Zuckerpillen,

übermorgen blanke Dreier,

nächste Woche goldne Eier,

und der liebe Gott, der lacht,

daß der ganze Himmel kracht.

 

Und du kommst und nimmst die Spenden,

säst sie aus mit Sonntagshänden,

und die Erde blüht von Farben,

und die Menschen tun′s in Garben -

Herrr, den Bengel kümmert nischt,

was man auch für Lügen drischt!

 

Warte nur, du Satansrachen:

heute Nacht, du kleiner Drachen,

durch den roten Höllenbogen

kommt ein Schmetterling geflogen,

huscht dir auf die Nase, huh,

deckt dir beide Augen zu -

 

deckt die Flügel sacht zusammen,

daß du träumst von stillen Flammen,

von zwei Flammen, die sich fanden,

Hölle Himmel still verbanden - -

So, nun schläft er; es gelang;

Himmel Hölle, Gott sei Dank!


Das Gedicht "Wiegenlied für meinen Jungen" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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