Einen Sommer lang

Goldne Glocke schwang,

Rief zu immer holderem Tag.

Schlugst das Aug du auf,

Lag mein Kuss darauf,

Und dein Herz in meinen Händen lag.

 

Einen Sommer lang

Lied und Lachen klang,

Und wir waren ganz vor Glück entbrannt.

Schlang und Eidechs kam,

Und gezähmt sie nahm

Süßigkeit aus deiner guten Hand.

 

Einen Sommer lang

Mit dem Engel rang

Ich, dass ewig dieser Sommer sei.

Ach, ich war zu schwach,

Und im Herbste brach

Sensenmann das Ährenglück entzwei.

 

Dieser Sommer war

Voll wie hundert Jahr,

Die des Gottes Gnadenblut durchdrang.

Schenke sein Geschick

Unsrem Kind ein Glück

Viele, viele, viele Sommer lang.


Das Gedicht "Wiegenlied für Irene" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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