Es dunkelt schon. Komm, geh nach Haus.

Komm! das Kastanien-Blattgewühl

streckt sich wie Krallen nach uns aus.

Es ist zu einsam hier, zu schwül

für uns.

 

Denn sieh: die Linien deiner Hand

laufen den meinen viel zu gleich.

Du schienst mir plötzlich so verwandt,

so vorbekannt;

vielleicht aus einem andern Reich.

 

Ich hatt ′ne Schwester, die ist tot.

Sei nicht so stumm, als wärst du taub!

Die Abendwolke dampft so rot

durchs junge Laub,

als ob sie uns Blutschande droht.

 

Horch! Ja, so wild und unverwandt,

wie jetzt die Nachtigall da schlug,

zittert dein Herz in meiner Hand.

Wir wissen es; das ist genug

für uns.


Das Gedicht "Unsre Stunde" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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