Ich habe Alles euch gegeben,

nun wollt ihr auch das Letzte noch:

nun soll ich knechten auch mein Streben,

zertreten mich für euer Joch?

 

Ich hab′ in mir um euch gerungen,

für mein Herz wollt′ ich eures auch,

Stolz, Liebe, Haß um euch bezwungen:

nun danket ihr nach altem Brauch!

 

Nun soll ich feige das Gefüge,

dran mitzurüsten ich geweiht,

verleugnen für die große Lüge,

an der sich jetzt berauscht die Zeit?!

 

Ja, eine Zeit gemacht zum Beten!

für jeden engsten Kreis ist heut

ein neuer Heiland uns von Nöten:

der alte starb, zu dem ihr schreit!

 

Doch nicht, daß man aus Luggeweben

die Dornenkrone selbst sich flicht:

ich habe Alles euch gegeben,

doch mein Gewissen geb′ ich nicht!


Das Gedicht "Abschied" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Weitere gute Abschiedsgedichte zum schmökern.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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