I

 

Meine Hand hat nur noch eine

Gebärde, mit der sie verscheucht;

auf die alten Steine

fällt es aus Felsen feucht.

 

Ich höre nur dieses Klopfen

und mein Herz hält Schritt

mit dem Gehen der Tropfen

und vergeht damit.

 

Tropften sie doch schneller,

käme doch wieder ein Tier.

Irgendwo war es heller -.

Aber was wissen wir.

II

 

Denk dir, das was jetzt Himmel ist und Wind,

Luft deinem Mund und deinem Auge Helle,

das würde Stein bis um die kleine Stelle

an der dein Herz und deine Hände sind.

 

Und was jetzt in dir morgen heißt und: dann

und: späterhin und nächstes Jahr und weiter -

das würde wund in dir und voller Eiter

und schwäre nur und bräche nicht mehr an.

 

Und das was war, das wäre irre und

raste in dir herum, den lieben Mund

der niemals lachte, schäumend von Gelächter.

 

Und das was Gott war, wäre nur dein Wächter

und stopfte boshaft in das letzte Loch

ein schmutziges Auge. Und du lebtest doch.


Das Gedicht "Der Gefangene" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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