Am 12. April 1810.

 

Es weht um mich Narzissenduft,

Es spricht zu mir die Frühlingsluft:

Geliebter,

Erwach′ im rothen Morgenglanz,

Dein harrt ein blütenreicher Kranz,

Betrübter!

 

Nur mußt du kämpfen drum und thun

Und länger nicht in Träumen ruhn;

Laß schwinden!

Komm, Lieber, komm aufs Feld hinaus,

Du wirst im grünen Blätterhaus

Ihn finden.

 

Wir sind dir Alle wohlgesinnt,

Du armes, liebebanges Kind,

Wir Düfte.

Warst immer treu uns Spielgesell,

Drum dienen willig dir und schnell

Die Lüfte.

 

Zur Liebsten tragen wir dein Ach,

Und kränzen ihr das Schlafgemach

Mit Blüten.

Wir wollen, wenn du von ihr gehst,

Und einsam dann und traurig stehst,

Sie hüten.

 

Erwach′ im morgenrothen Glanz,

Schon harret dein der Myrthenkranz,

Geliebter!

Der Frühling kündet gute Mähr

Und nun kein Ach, kein Weinen mehr,

Betrübter!


Das Gedicht "Frühlingstrost" stammt von (* 1783-12-11, † 1817-12-11).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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