In dem die Sonne sich hat in das Meer begeben /

Vnd das gestirnte Haupt der Nacht herausser bricht /

Sind Menschen / Vieh vnd Wild wie gleichsam ohne Leben /

Der Monde scheinet auch gar kaum mit halbem Liecht.

Ich / ob schon alles schläfft / muß ohn Auffhören wachen

Von vielen Tagen her / vnd wallen ohne Ruh:

Ist schon die gantze Welt befreyt von jhren Sachen /

So bring′ ich doch vor Lieb′ vnd Angst kein Auge zu.

Auch dich / Asterie / hat gantz der Schlaff vmbringet /

Der Tagesarbeit furth / deß Todes Ebenbild;

Da mir der Zehren Bach auß beyden Augen dringet /

Bist du mit sanffter Rhu auff deinem Bett′ erfüllt.

Wie wann sich Delia hat in den Walt verborgen /

Wird durch den Schlaff erwuscht / vnd fellt ins grüne Graß;

Vnd wie die Nymphen auch sich legen gegen morgen /

Nach dem der Nachttantz sie gemacht hat müd vnd laß.

Sie ruhen sicherlich bey einem frischen Bronnen /

Die Bäume halten auff der Morgenröthe Liecht;

Daß sie nicht alsobald erwachen von der Sonnen

Deckt sie der dicke Wald: Pan aber schläffet nicht.

Er geht / er rufft / er schreyt mit sehnlichem Verlangen /

Daß seine stimm erklingt durch pusche / Berg vnd Thal /

Vnd sie sind sänfftiglich mit süssem Traum vmbfangen /

Dem Pan antwortet nur der blosse Wiederschal.

Du auch / mein Leben / schläfst / ich muß in Nöthen wallen /

Du bist in guter Rhu / ich wache für vnd für /

Biß mich der letzte Tod wird endlich vberfallen /

Auff den ich sehnlich wart allhier bey deiner Thür.


Das Gedicht "Elegie." stammt von   (1597 - 1639).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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