Ihr Honigvögelein, die ihr von den Violen
Und Rosen abgemeit den wundersüßen Saft,
Die ihr dem grünen Klee entzogen seine Kraft,
Die ihr das schöne Feld so oft und viel bestohlen,
Ihr Feldeinwohnerin, was wollet ihr doch holen
Das so euch noch zur Zeit hat wenig Nutz geschafft,
Weil ihr mit Dienstbarkeit des Menschen seid behaft
Und ihnen mehrenteils des Honig müsset zollen?
Kommt, kommt zu meinem Lieb auf ihren Rosenmund,
Der mir mein krankes Herz inniglich verwundt,
Da sollt ihr Himmelspeis auch überflüssig brechen:
Wann aber jemand sie will setzten in Gefahr
und ihr ein Leid antun, dem sollt du starke Schar
Für Honig Galle sein und ihn zu Tode stechen.
Das Gedicht "An die Bienen" stammt von Martin Opitz (1597 - 1639).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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