Dies wunderliche Werk / das Gott hat aufgericht /
Die Erde / Luft / und See / des Himmels hohe Thronen /
Das alles / was man kann / und auch nicht kann bewohnen/
Hätt es kein / oder auch zwei Sonnen / stünd es nicht.

Ich arm betrübtes Tier muss zweier Sonnen Licht
Vertragen / die mir arg für meine Liebe lohnen /
Ja die bei Tag und Nacht auch meiner nicht verschonen /
Doch ärger ist die Pein / wann mir der Glanz gebricht /
Was wunder ist es dann / dass ihr mich sehet sterben
Mehr als zehn tausendmal / eh′ kaum hingeht ein Tag?
Und immer wiederum belebt zur neuen Plag?

Ist sie mir allzu nah / muss ich durch sie verderben: Ist sie denn ganz hinweg / so hab ich lauter Nacht / Doch wähl′ ich mir den Tod / den mir die Hitze macht.

Originalfassung

Dies wunderliche Werk / das Gott hat aufgericht /
Die Erde / Luft / und See / des Himmels hohe Thronen /
Das alles / was man kann / und auch nicht kann bewohnen/
Hätt es kein / oder auch zwei Sonnen / stünd es nicht.

Ich arm betrübtes Tier muss zweier Sonnen Licht
Vertragen / die mir arg für meine Liebe lohnen /
Ja die bei Tag und Nacht auch meiner nicht verschonen /
Doch ärger ist die Pein / wann mir der Glanz gebricht /
Was wunder ist es dann / dass ihr mich sehet sterben
Mehr als zehn tausendmal / eh′ kaum hingeht ein Tag?
Und immer wiederum belebt zur neuen Plag?

Ist sie mir allzunah / muss ich durch sie verderben: Ist sie denn ganz hinweg / so hab ich lauter Nacht / Doch wähl′ ich mir den Tot / den mir die Hitze macht.


Das Gedicht "Sonnet von der Liebsten Augen" stammt von   (1597 - 1639).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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