Diß Ort mit Bäumen gantz vmbgeben /

Da nichts als Furcht vnd Schatten schweben /

Da Trawrigkeit sich hin verfügt /

Da alles wüst′ vnd öde liegt /

Da auch die Sonne nicht hinweichet /

Da gifftig Vngezieffer schleichet /

Da gar kein Wasser sich ergeust /

Als das auß meinen Augen fleust /

Da gar kein Liecht nicht wird erkennet /

Als daß auß meinem Hertzen brennet /

Bedüncket mich bequeme seyn /

Da ich mich klag′ ab meiner Pein /

Ab meiner Pein vnd tieffstem Leiden /

Daß mich jetzund wird von mir scheiden;

Doch ehe der gewüntschte Tod

Mit Frewden abhilfft meiner Noth /

Will ich von meiner Liebe klagen /

Vnd / ob schon gantz vergeblich / fragen /

Ist dann niemand der tröste mich /

Weil ich so trawer′ jnniglich? Ich.

O Echo / wirst nur du alleine

Hinfort mich trösten / vnd sonst keine? eine.

Wie soll sie leschen meinen Brandt /

Ist sie mir doch noch vnbekandt? bekandt.

Sie wil es aber nicht verstehen /

Lest mich in Angst ohn Ablaß gehen. laß gehen.

Verleuret sich denn ja mein Leidt /

Wem soll ichs dancken mit der Zeit? der Zeit.

So ist nun Noth daß ich verscharre

Das Fewer / vnd der Stund′ erharre? harre.

Wenn ich zu lange harren solt′

Hülff etwas meiner Vngedult? Gedult.

Vielleichte möcht′ ich sterben ehe /

Weil ich im höchsten Elend gehe? entgehe.

So folg′ ich deinem Rathe schlecht /

Hoff′ alles werde gut vnd recht. recht.

Nun bin ich vieler Noth entbunden /

Vnd habe guten Trost empfunden.

Du vnbewohnte Trawrigkeit /

Jhr Hecken voll von meinem Leid′ /

Jhr schwartzen Hölen vnd jhr Wüsten /

Da Eulen / Natern / Schlangen nisten /

Du ödes Ort / gehabt euch wol;

Ich bin für Trawren Frewde voll /

Für Finsternüß such′ ich die Sonnen /

Für Threnen einen kühlen Bronnen:

Die so Vertröstung mir gethan /

Ist so daß sie nicht lügen kan.


Das Gedicht "Echo oder Wiederschall." stammt von   (1597 - 1639).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte