Der englische Pfaffe hat sie in Pacht,

Er hat die Gottseligkeit verbrieft,

Von der sein feistes und glatt rasiertes,

Sein milde lächelndes Antlitz trieft.

 

Er steht auf der Kanzel des Sonntags früh,

Er stochert in den Zähnen herum;

Und dann verkündet er Gottes Wort

Dem fromm aufhorchenden Publikum.

 

"Zu Bethlehem in dem heiligen Land,"

Sagt er in fettem näselndem Ton,

"Da geschah ein greulicher Kindermord;

Umbringen wollte man Gottes Sohn.

 

So große Greuel begaben sich da,

So grausam, tierisch, so ganz verrucht,

Dass man keine Worte nicht finden kann,

Mit denen man sie richtig verflucht."

 

Das ist gewesen vor langer Zeit,

O frommes, englisches Publikum!

Und immer noch dreht sich das Herz im Leib

Des guten Pfaffen dabei herum.

 

Er schließt den christlichen Gottesdienst,

Indem er mit seinem Segen belohnt

Das tapfere Heer im Feindesland,

Weil es nicht einmal die Frauen verschont.

 

Weil es mit blutiger Mörderhand

Sogar die armen Kinder erwürgt,

Als wie es geschah in Bethlehem

Nach dem was die Heilige Schrift verbürgt.

 

Und dann verlässt er das Gotteshaus;

Trägt seine Frömmigkeit an die Luft,

Dass jeder Christ sich erbauen kann

An dem gottseligen Bibelschuft.

Ihr seid mir z′weng!

Vierhundert Millionen,

Keinen will ich schonen

Alle bring ich um!

Tschin! Bum!

 

Wenn einer mit den Augen zwinkt,

Dem lest gleich Seelenmessen,

Der Kerl wird gleich zu Wurst verhackt

Und auf dem Kraut gefressen!

 

Schnedderengdeng!

Ihr seid mir z′weng!

Vierhundert Millionen,

Keinen will ich schonen

Alle bring ich um!

Tschin! Bum!

 

Euch soll die höhere Kultur

Durch alle Löcher bringen.

Und tausend Jahre sollt ihr noch

Das Lied vom Christen Singen!

 

Schnedderengdeng!

Ihr seid mir z′weng!

Vierhundert Millionen,

Keinen will ich schonen

Alle bring ich um!

Tschin! Bum!


Das Gedicht "Der englische Pfaffe" stammt von   (1867 - 1921).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte