Ist es nicht Verwegenheit

Einen Namenstag zu feiern,

Ein Gedicht herunterleiern

Und mit Selbstgenügsamkeit

Seinen Antheil drin betheuern?

 

Freilich ist es viel gewagt.

Denn was soll an solchen Tagen

Anders mehr der Kluge sagen,

Als daß nun der Tag getagt,

Im Kalender nachzuschlagen?

 

Wahrlich, namenlose Pein

Auf den Namenstag zu singen,

Ihm Gedanken abzuringen!

Darum in den Tag hinein

Muß der gute Sänger singen.

 

Und er merket sich den Rath,

Und er mag hier ohne Zaudern,

Sonder Etiketteschaudern,

Was er auf dem Herzen hat

Mit Gelegenheit verplaudern.

 

So zum Beispiel: schöne Frau,

Freund, o bester, Sie verzeihen,

Theures Mädchen, Ihnen weihen

Möcht ich - Freund, ja mir vertrau,

Willst du mir zwei Hundert leihen?


Das Gedicht "Für Namenstage" stammt von   (1827 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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