Muss es einmal geschieden sein,

Und ist das Scheiden Pflicht,

So mehre deines Herzens Pein

Durch langes Zögern nicht.

O hätt′ ich selber dies bedacht,

Als Morgens schon um vier

Mein Liebchen, nach durchwachter Nacht,

Anklopft′ an meine Tür.

Fünf schlug es, und mit nassem Blick′

Ließ sie mich endlich gehn,

Doch schluchzend rief sie mich zurück,

Noch Einmal mich zu sehn.

Hoch ging mein Busen, wie die See,

Mein bleicher Mund ward stumm,

Mein Aug′ erlosch bei Liebchens Weh,

Und dreimal kehrt′ ich um.

Warum gab ich dem Ruf′ Gehör?

Warum war ich so schwach?

Der ersten Trennung folgt nunmehr

Vielleicht die letzte nach.

Scheid′ ohne Abschied, wer einmal

Vom Liebchen scheiden muss.

Sonst wird ihr letztes Wort zur Qual,

Zum Dolch ihr Abschiedskuss.


Das Gedicht "Das Scheiden" stammt von   (1748 - 1828).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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