Es war einmal eines Schusters Frau,

Ein wunderschönes Weib,

Die liebte die feinen Herren

Zum schönsten Zeitvertreib.

 

Maß einem edlen Grafen

Der Schuster Schuhe an,

So stand sie dicht daneben

Und lächelte ihn an.

 

Im Garten steht eine Laube,

Es zwitschert die Nachtigall.

Dort traf sie nachts im Dunkeln

Die Kavaliere all.

 

Ihr Haar flog wild im Winde,

Der Mond verkroch sich sacht.

Sie liebte in ihrer Sünde

Sieben in einer Nacht.

 

Und als die Sonne aufging,

Der Schuster trat hervor,

Blaß wie der bleiche Vollmond

Und schwankend wie ein Rohr.

 

»Ich will meine Schande nicht sehen mehr

Und mein zerfallenes Haus...«

Er hob den Schusterpfriemen

Und stach sich die Augen aus.

 

Die Schusterin fiel in Ohnmacht,

Und als sie lallend erwacht,

Da haben zwei schwarze Männer sie

Ins Irrenhaus gebracht.


Das Gedicht "Die Schusterin" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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