Meine Mutter liegt im Bette,

Denn sie kriegt das dritte Kind;

Meine Schwester geht zur Mette,

Weil wir so katholisch sind.

Manchmal troppt mir eine Träne

Und im Herzen pupperts schwer;

Und ich baumle mit de Beene,

Mit de Beene vor mich her.

 

Neulich kommt ein Herr gegangen

Mit ′nem violetten Schal,

Und er hat sich eingehangen,

Und es ging nach Jeschkenthal!

Sonntag war′s. Er grinste: »Kleene,

Wa, dein Port′menée is leer?«

Und ich baumle mit de Beene,

Mit de Beene vor mich her.

 

Vater sitzt zum ′zigsten Male,

Wegen »Hm« in Plötzensee,

Und sein Schatz, der schimpft sich Male,

Und der Mutter tut′s so weh!

Ja, so gut wie der hat′s keener,

Fressen kriegt er, und noch mehr,

Und er baumelt mit de Beene,

Mit de Beene vor sich her.

 

Manchmal in den Vollmondnächten

Is mir gar so wunderlich:

Ob sie meinen Emil brächten,

Weil er auf dem Striche strich!

Früh um dreie krähten Hähne,

Und ein Galgen ragt, und er...

Und er baumelt mit de Beene,

Mit de Beene vor sich her.


Das Gedicht "Ich baumle mit de Beene" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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