Nachtvertraute Liebesklagen

Send' ich meiner Freundin zu;

Eile Kund' ihr anzusagen,

Mond, gefäll'ger Bote du;

Jedes Wort aus ihrem Munde,

Jede selige Sekunde

Glüht in meiner Phantasie,

Meine Seele denkt nur Sie!

 

Traget, Wolken, traget, Sterne,

Meinen Gruß! Verschwiegne Luft,

Sag' ihr, daß der Sänger, ferne,

Ihren holden Namen ruft.

Tönt er überall nicht wieder,

Sind verhaßt mir meine Lieder,

Klanglos, ohne Harmonie:

Mich begeistern kann nur Sie!

 

Ob das Glück mir seine Krone,

Reichthum mir sein Füllhorn beut;

Ob die Welt zum Dichterlohne

Einen Lorbeerzweig mir weiht:

Gold und Ehre, eitler Schimmer,

Euern Glanz begehr' ich nimmer,

Eure Kränze wünsch' ich nie;

Mich beglücken kann nur Sie!

 

Nicht der frohe Ton des Lebens

Weckt des Busens Wiederhall;

Freud' und Lust, ihr ruft vergebens,

Nicht'ge Töne, leerer Schall!

Ach, dahin sind meine Wonnen,

Meine Freud' ist längst zerronnen,

Der die Liebe Farben lieh;

Freude geben kann nur Sie!

 

Glühe immerhin, Verlangen,

Tief im Herzen sonder Ruh',

Sehnsucht, halte mich gefangen,

Nage, nage immerzu!

So wie du kein Pfeil verletzet,

's ist kein Schwert, das also schmerzet;

Tödte! – heilen wirst du nie!

Ach mich heilen kann nur Sie! –

 

Augensterne mild und helle,

Seidenlocken, fließend Gold,

Schnee des Halses, Busens Welle,

Zarte Hände, bleibt mir hold!

Warme Lippen, rosigsüße,

Sänger schickt euch tausend Küsse,

Täuscht mich nimmer! – Täuschen – Wie?

Wer ist wahrhaft, wenn nicht Sie?


Das Gedicht "In die Ferne" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte