Trink’, betrübter, todtenblasser

Wassertrinker, Rebenhasser,

Trink’ doch Wein!

Deine Wangen wirst du färben,

Weiser werden, später sterben,

Glücklich seyn!

 

Habt, ihr großen Götter! habet

Für den Trank, den ihr uns gabet,

Heißen Dank!

O, wie duftet er der Nase,

O, wie sprudelt er im Glase!

Welche ein Trank!

 

Allen Kummer, alle Schmerzen

Tödtet er, und alle Herzen

Macht er froh!

Durstig sang, zu seinem Preise,

Dieses schon der große Weise,

Salomo!

 

Ja, es müssen alle Weisen,

Ja, es muß ihn Jeder preisen,

Der ihn trinkt!

Finster, grämlich, menschenfeindlich

Läßt er Keinen! Seht, wie freundlich

Er mir winkt!

 

Siehe, spricht der Rebenhasser,

Wie so freundlich da mein Wasser

Mir auch winkt!

Ernster Weisheit bleibt ergeben,

Wer, ein Feind vom Saft der Reben,

Wasser trinkt.

 

Wasser, immer magst du winken!

Wer zu klug ist, Wein zu trinken,

Trinke dich!

Wasser, weg von meinem Tische,

Du gehörest für die Fische,

Nicht für mich!


Das Gedicht "An einen Wassertrinker" stammt von   (1719 - 1803).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte