Ne Gsang in Ehre,

wer will′s verwehre?

Singt ′s Tierli nit in Hurst und Nast,

der Engel nit im Sterneglast?

E freie frohe Mut,

e gsund und fröhlich Blut

goht über Geld und Gut.

Ne Trunk in Ehre,

wer will′s verwehre?

Trinkt ′s Blüemli nit si Morgetau?

Trinkt nit der Vogt si Schöppli au?

Und wer am Werchtig schafft,

dem bringt der Rebesaft

am Sunntig neui Chraft.

Ne Chuß in Ehre,

wer will′s verwehre?

Chüßt ′s Blüemli nit sie Schwesterli,

und ′s Sternli chüßt si Nöchberli?

In Ehre, hani gseit,

und in der Unschuld Gleit,

mit Zucht und Sittsemkeit.

Ne freudig Stündli,

isch′s nit e Fündli?

Jez hemmer′s und jez simmer do;

es chunnt e Zit, würd′s anderst goh.

′s währt alles churzi Zit,

der Chilchhof isch nit wit.

Wer weiß, wer bal dört lit?

Wenn d′Glocke schalle,

wer hilftis alle?

O gebis Gott e sanfte Tod!

E rüeihig Gwisse gebis Gott,

wenn d′Sunn am Himmel lacht,

wenn alles blizt und chracht,

und in der letzte Nacht!


Das Gedicht "Freude in Ehren" stammt von   (1760 - 1826).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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