Weisch, wo der Weg zuem Mehlfaß isch,
zuem volle Faß? Im Morgeroth
mit Pflueg und Charst dur’s Weizefeld,
bis Stern und Stern am Himmel stoht.

Me hackt, so lang der Tag eim hilft,
me luegt nit um, und blibt nit stoh;
druf goht der Weg dur’s Schüre-Tenn
der Chuchi zue, do hemmers io!

Weisch, wo der Weg zuem Gulden isch?
Er goht de rothe Chrüzere no,
und wer nit uffe Chrüzer luegt,
der wird zum Gulde schwerli cho.

Wo isch der Weg zuer Sunntig-Freud?
Gang ohni G’fohr im Werchtig no
dur d’Werkstatt und dur’s Ackerfeld!
der Sunntig wird scho selber cho.

Am Samstig isch er nümme wit,
Was deckt er echt im Chörbli zue?
Denkwohl e Pfündli Fleisch ins Gemües,
’s cha sy, ne Schöpli Wi derzue.

Weisch, wo der Weg in d’Armeth goht?
Lueg numme, wo Taffere sin;
Gang nit verbei, ’s isch guete Wi,
’s sin nagelneui Charte d’rinn!

Im letzste Wirthshuus hangt e Sack,
und wenn de furt gohsch, henk en a!
„Du alte Lump, wie stoht der nit
der Bettelsack so zierlig a!“

Es isch e hölze G’schirrle d’rinn,
gib Achtig druf, verlier mer’s nit,
und wenn de zue me Wasser chunnsch
und trinke magsch, se schöpf dermit!

Wo isch der Weg zue Fried und Ehr,
der Weg zuem gueten Alter echt?
Grad fürsi gohts in Mäßigkeit
mit stillem Sinn in Pflicht und Recht.

Und wenn de amme Chrüzweg stohsch,
und nümme weisch, wo’s ane goht,
halt still, und frog di G’wisse z’erst,
’s cha dütsch, Gottlob, und folg si’m Roth.

Wo mag der Weg zum Chilchhof sy?
Was frogsch no lang? Gang, wo de witt!
Zuem stille Grab im chüele Grund
führt jede Weg, und ’s fehlt si nit.

Doch wandle du in Gottis-Furcht!
i roth der, was i rothe cha.
Sel Plätzli het e gheimi Thür,
und’s sin noch Sachen ehne dra.

Alternativer Titel: Der Kreuzweg


Das Gedicht "Der Wegweiser" stammt von   (1760 - 1826).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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