Der Chäfer fliegt der Jilge zu,

es sizt e schönen Engel dört,

er wirtet gwis mit Blumesaft,

und ‘s chostet nit vil, hani ghört.

Der Engel seit: »Was wär der lieb?« –

»Ne Schöpli Alte hätti gern!«

Der Engel seit: »Sel cha nit si,

sie hen en alle trunke fern.« –

»Se schenk e Schöpli Neuen i!« –

»Do hesch eis!« het der Engel gseit.

Der Chäfer trinkt, und ‘s schmeckt em wohl,

er fragt: »Was isch mi Schuldigkeit?«

Der Engel seit: »He, ‘s chostet nüt!

Doch richtsch mer gern e Gfallen us,

weisch was, se nimm das Blumemehl,

und tragmer’s dört ins Nochbers Hus!«

Er het zwor selber, was er brucht,

doch freut’s en, und er schickt mer au

mengmol e Hämpfeli Blumemehl,

mengmol e Tröpfli Morgetau.«

Der Chäfer seit: »Jo frili, jo!

Vergelt’s Gott, wenn de z’friede bisch.«

Druf treit er’s Mehl ins Nochbers Hus,

wo wieder so en Engel isch.

Er seit: »I chumm vom Nochber her,

Gott grüeß di, und er schickt der do,

au Blumemehl!« Der Engel seit:

»De hättsch nit chönne juster cho.«

Er ladet ab; der Engel schenkt

e Schöpli gute Neuen i.

Er seit: »Do trink eis, wenn de magsch!«

Der Chäfer seit: »Sel cha scho si!«

Druf fliegt er zu sim Schätzli heim,

‘s wohnt in der nöchste Haselhurst.

Es balgt und seit: »Wo blibsch so lang?«

Er seit: »Was chani für mi Durst?«

Jez luegt er’s a, und nimmt’s in Arm,

er chüßt’s, und isch bim Schätzli froh.

Druf leit er si ins Totebett,

und seit zum Schätzli: »Chumm bald no!«

Gell, Sepli, ‘s dunkt di ordeli!

De hesch au so ne lustig Bluet.

Je, so ne Lebe, liebe Fründ,

es isch wohl für e Tierli guet.


Das Gedicht "Der Käfer" stammt von   (1760 - 1826).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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