Willst du frei und lustig gehn

Durch das Weltgetümmel,

Musst du auf die Vöglein sehn,

Wohnend unterm Himmel;

Jedes hüpft und singt und heckt

Ohne Gram und Sorgen,

Schläft vom grünen Zweig bedeckt

Sicher bis am Morgen.

 

Jedes nimmt ohn′ Argelist,

Was ihm Gott beschieden,

Und mit seinem Fräulein ist

Männlein wohl zufrieden;

Keines sammelt kümmerlich

Vorrat in die Scheunen;

Dennoch nährt und labt es sich

Mit den lieben Kleinen.

 

Keines bebt im Sonnenstrahl

Vor den fernen Stürmen;

Kommt ein Sturm, so wird′s im Tal

Baum und Fels beschirmen.

Täglich bringt es seinen Dank

Gott für jede Gabe,

Flattert einstens mit Gesang

Still und leicht zu Grabe.

 

Willst du frei und lustig gehn

Durch dies Weltgetümmel,

Musst du auf die Vöglein sehn,

Wohnend unterm Himmel.

Wie die Vöglein haben wir

Unsren Vater droben:

Lass ein treues Weib mit dir

Lieben ihn und loben!


Das Gedicht "Hochzeitslied" stammt von   (1740 - 1814).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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