Sagt, wo sind die Veilchen hin
Die so freudig glänzten,
Und der Blumenkönigin
Ihren Weg bekränzten?
Jüngling, ach! der Lenz entflieht
Diese Veilchen sind verblüht

Sagt, wo sind die Rosen hin
Die wir singend pflückten
Als sich Hirt und Schäferin
Hut und Busen schmückten?
Mädchen, ach! der Sommer flieht
Diese Rosen sind verblüht.

Führe denn zum Bächlein mich
Das die Veilchen tränkte
Das mit leisem Murmeln sich
In die Täler senkte
Luft und Sonne glühten sehr:
Jenes Bächlein ist nicht mehr

Bringe denn zur Laube mich,
Wo die Rosen standen
Wo in treuer Liebe sich
Hirt und Mädchen fanden
Wind und Hagel stürmten sehr
Jene Laube grünt nicht mehr

Sagt, wo ist das Mädchen hin
Das, weil ichs erblickte,
Sich mit demutvollem Sinn
Zu den Veilchen bückte?
Jüngling! alle Schönheit flieht:
Auch das Mädchen ist verblüht

Sagt, wo ist der Sänger hin,
Der auf bunten Wiesen
Veilchen, Ros’ und Schäferin,
Laub’ und Bach gepriesen?
Mädchen! unser Leben flieht
Auch der Sänger ist verblüht


Das Gedicht "Sagt, wo sind die Veilchen hin" stammt von   (1740 - 1814).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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