Liebchen wallt in fernem Lande:

Meine Küsse geb′ ich dir,

Goldnes Ringlein! dich zum Pfande

Ließ sie, unter Küssen, mir.

 

Ach! da kam sie, leiser, trauter;

Hatt′ ein Auge, rein und hold;

Und ein Herz! ein Herz, so lauter,

Schönes Ringlein! wie dein Gold.

 

Liebchen gab dich mir, und sagte:

Nimm es, bleib′ ihm ewig gut!

Und ich schwör′ es dir: Ich wagte,

Dir zu Gunsten, all mein Blut.

 

Goldnes Ringlein! süßes, liebes!

Machst, daß mir die Sonne scheint;

Kommt ein Wölkchen oft, ein trübes,

Hat′s in kurzem ausgeweint.

 

Du beginnst die schöne Kette,

Die man von der Treu empfängt,

Die so fest am Sterbebette

Mit dem letzten Ringlein hängt,

 

Wo du noch, den matten Blicken

Schimmernd, Wonn′ und Hoffnung bist,

Weil in Welten voll Entzücken

Liebchen mich hinüber küßt.


Das Gedicht "Der Ring" stammt von   (1740 - 1814).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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