Am Silvesterabend setzen

Sich die nackten Menschenfresser

Um ein Feuer, und sie wetzen

Zähneklappernd lange Messer.

Trinken dabei - das schmeckt sehr gut -

Bambus-Soda mit Menschenblut.

Dann werden aus einem tiefen Schacht

Die eingefangenen Kinder gebracht

Und kaltgemacht.

Das Rückgrat geknickt,

Die Knochen zerknackt,

Die Schenkel gespickt,

Die Lebern zerhackt,

Die Bäuchlein gewalzt,

Die Bäckchen paniert,

Die Zehen gefalzt

Und die Äuglein garniert.

Man trinkt eine Runde und noch eine Runde.

Und allen läuft das Wasser im Munde

Zusammen, ausnander und wieder zusammen.

Bis über den feierlichen Flammen

Die kleinen Kinder mit Zutaten

Kochen, rösten, schmoren und braten.

Nur dem Häuptling wird eine steinalte Frau

Zubereitet als Karpfen blau.

Riecht beinah wie Borchardt-Küche, Berlin,

Nur mehr nach Kokosfett und Palmin.

Dann Höhepunkt: Zeiger der Monduhr weist

Auf Zwölf. Es entschwindet das alte Jahr.

Die Kinder und der Karpfen sind gar.

Es wird gespeist.

Und wenn die Kannibalen dann satt sind,

Besoffen und überfressen, ganz matt sind,

Dann denken sie der geschlachteten Kleinen

Mit Wehmut und fangen dann an zu weinen.


Das Gedicht "Silvester bei den Kannibalen" stammt von   (1883 - 1934).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:

 

Weitere gute Silvester & Neujahr: Gedichte zum schmökern.

 



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte