Ich kann so gut verstehen, die ungetreuen Frauen,

So gut, mir ist, als könnt ich in ihre Seelen schauen.

Ich seh um ihre Stirnen die stumme Klage schweben,

Die Qual am langen, leeren, am lebenleeren Leben.

 

Ich seh in ihren Augen die Lust, sich aufzugeben,

Im Unergründlichen, Verbotenen zu beben

Die Lust am Spiel, die Lust das Letzte einzusetzen,

Die Lust am Sieg und Rausch, am Trügen und Verletzen.

 

Ich seh ihr Lächeln und die heimlichen, die Tränen,

Das rätselhafte Suchen, das ruhelose Sehnen.

Ich fühle, wie dies drängt zu törichten Entschlüssen,

Wie sie ihre Augen schließen und sich quällen müssen;

Wie sie für jedes Morgen ein jedes Heut begraben,

Und wie sie sich nicht versehen, wenn sie getötet haben.


Das Gedicht "Erfahrung" stammt von   (1874 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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