Du hast den Frieden mir geraubt,

Du Herbstwind trüb und kalt,

Die grünsten Bäume hast entlaubt,

Das Jüngste wurde alt.

 

Die Blumen hast du totgeküßt,

Die Vögel wurden stumm,

Und Alles welk und Alles wüst

Im Thale ringsherum.

 

Da zürn ich laut dem Mißgeschick

Und fühl mich tief gekränkt,

Daß Erde meinem wärmsten Blick

Kein einzig Blümlein schenkt.

 

Daß, wie mein Blick auch nimmermatt,

Sich treibt durch Wald und Schlucht,

Vergebens sich ein grünes Blatt —

Ein Lebenszeichen sucht.

 

So ist dem Arzte wol zu Mut,

Wenn in erstarrter Hand,

Das erst so volle, laute Blut

Auf einmal stille stand.

 

Da geht er in sein Kämmerlein

Und grübelt, prüft und denkt,

Indeß man einen Totenschrein

Ins stille Grab versenkt.


Das Gedicht "Herbstlied" stammt von   (1819 - 1904).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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