Das Leben ist erstanden

Mit Glanz und Frühlingspracht

Das hat aus starren Banden

Die Liebe frei gemacht.

 

Die Blütenkeime treiben

Zum Himmel unbewußt —

Wer mag zu Hause bleiben,

Wenn draußen solche Lust!

 

Lebt wol, ihr welken Blätter,

Ihr Worte kalt und grau-

Lebendiges Geschmetter

Lockt nun in grüner Au.

 

Leb wol du tote Feder

Mit deinem schwarzen Gift

Geweihtere hat jeder

Zaunkönig auf der Trift.

 

Viel größre Weisheit flüstert

Wol jedes Blatt am Baum,

Als mir entgegendüstert

Aus engem Bücherraum.

 

Leb wol, leb wol Gesinge,

Vom Gänsekiel geweiht,

Leb wol, du tote Schwinge,

Du Bücherseligkeit! —

 

Doch kehr ich einmal wieder,

Wenn Strauch und Baum entlaubt,

Dann seh ich traurig nieder

Mit tiefgesenktem Haupt.

 

Dann will ich wieder blättern

In sehnsuchtvoller Qual,

Ob noch nicht aus den Wettern

Befreit der Sonnenstral;

 

Ob noch nicht aufgeschossen

Des Geistes grüne Saat,

Ob noch nicht, glanzumflossen,

Der Völkerfrühling naht.

 

Dann will ich wieder singen

Der Sehnsucht vollen Drang

Mit toten Federschwingen

Lebendigen Gesang.


Das Gedicht "Frühlingsgesang" stammt von   (1819 - 1904).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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