Bang ist der Tag, die Lüfte welk und trocken,
In allen Kirchen wogt′s von frommen Bittern
Um Regen – horch, was war das für ein Zittern?
Und wieder – wieder – alle Pulse stocken.
Die Erde bebt – ein Gott bewegt die Glocken –
Hinaus, hinaus! Von tausend Ungewittern
Erbebt es unter uns, die Mauern splittern,
Die Erde gähnt, es regnet Feuerflocken.
Und Sturz auf Sturz – auf aus den dumpfen Kammern
Zerborstner Kirchen, Kerker, Hospitäler
Stöhnt Hilferufen, Ächzen, Todesjammern.
Dort aber vor der Stadt durch Hain und Täler
Fliehn Frauen, die ihr lachend Kind umklammern,
Mit Schwarzen, die gerettet ihre Quäler.
Das Gedicht "St. Jago in Chili" stammt von Hermann Lingg (1820 - 1905).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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