Vor allen Städten seid ihr Meeresbräute

Die herrlichsten; der Tiefe Schätze quellen

Zu euch empor, des Glückes Segel schwellen

An euren Strand der fernsten Länder Beute.

 

Da, Tyrus, Indien dir Weihrauch streute,

Und da, Korinth, zu deinen Marmorschwellen

Der Römer kam, da auf den hohen Wellen

Dein Leu, Venedig, allen Flaggen dräute;

 

Da war′s, da zog der Ruhm durch Siegestore,

Da schien die Mittagsglut von goldnen Dächern

Auf Heldenbilder längs der Korridore.

 

Müd lächelnd sahn die Herren der besiegten

Meerwelle zu, indes in Prunkgemächern

Den Perlenfächer ihre Töchter wiegten.


Das Gedicht "Die Seestädte" stammt von   (1820 - 1905).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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