Es schien der Mond gar helle,

Die Sterne blinkten klar,

Es schliefen tief die Wellen,

Das Meer ganz stille war.

 

Ein Schifflein lag vor Anker,

Ein Schiffer trat herfür:

Ach wenn doch all mein Leiden

Hier tief versunken wär.

 

Mein Schifflein liegt vor Anker,

Hat keine Ladung drin,

Ich lad ihm auf mein Leiden

Und laß es fahren hin.

 

Und als er sich entrissen

Die Schmerzen mit Gewalt,

Da war sein Herz zerrissen,

Sein Leben war erkalt′.

 

Die Leiden all schon schwimmen

Auf hohem Meere frei,

Da heben sie an zu singen

Eine finstre Melodei.

 

Wir haben festgesessen

In eines Mannes Brust,

Wo tapfer wir gestritten

Mit seines Lebens Lust.

 

Nun müssen wir hier irren

Im Schifflein hin und her:

Ein Sturm wird uns verschlingen,

Ein Ungeheuer im Meer.

 

Da mußten die Wellen erwachen

Bei diesem trüben Sang;

Verschlangen still den Nachen

Mit allem Leiden bang.


Das Gedicht "Seelied" stammt von   (1785 - 1859).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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