Urahne, Großmutter, Mutter und Kind

In dumpfer Stube beisammen sind;

Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,

Großmutter spinnet, Urahne gebückt

Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl -

Wie wehen die Lüfte so schwül!

 

Das Kind spricht: "Morgen ist′s Feiertag,

Wie will ich spielen im grünen Hag,

Wie will ich springen durch Thal und Höh′n,

Wie will ich pflücken viel Blumen schön;

Dem Anger, dem bin ich hold!" -

Hört ihr′s, wie der Donner grollt?

 

Die Mutter spricht: "Morgen ist′s Feiertag,

Da halten wir alle fröhlich Gelag,

Ich selber ich rüste mein Feierkleid;

Das Leben es hat auch Lust nach Leid,

Dann scheint die Sonne wie Gold!"-

Hört ihr′s, wie der Donner grollt?

 

Großmutter spricht: "Morgen ist′s Feiertag,

Großmutter hat keinen Feiertag,

Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid,

Das Leben ist Sorg′ und viel Arbeit;

Wohl dem, der tat, was er sollt′!"-

Hört ihr′s, wie der Donner grollt?

 

Urahne spricht: "Morgen ist′s Feiertag,

Am liebsten morgen ich sterben mag:

Ich kann nicht singen und scherzen mehr,

Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,

Was tu′ ich noch auf der Welt?" -

Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?

 

Sie hören′s nicht, sie sehen′s nicht,

Es flammet die Stube wie lauter Licht:

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind

Vom Strahl miteinander getroffen sind,

Vier Leben endet ein Schlag -

Und morgen ist′s Feiertag.


Das Gedicht "Das Gewitter" stammt von   (1792 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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