Du Mann im schlechten blauen Kittel,
Arbeite! Schaffe Salz und Brot!
Arbeite! Arbeit ist ein Mittel,
Probat für Pestilenz und Not.
Arbeite! Rühre deine Arme!
Arbeite sechzehn Stunden so!
Arbeite! Nachts ja lacht das warme,
Das Lager dir von faulem Stroh.
Arbeite! Hast ja straffe Sehnen.
Arbeite! Denk, mit schwangerem Leib
Harrt in der Hütte dein mit Tränen
Ein schönes leichenbleiches Weib.
Arbeite! Gleich der Stirn der Rinder
Ist ja die deine breit und dick.
Arbeite! Deine nackten Kinder,
Die küssen dich, kehrst du zurück.
Arbeite bis die Adern klopfen!
Arbeite bis die Rippe kracht!
Arbeite bis die Schläfen tropfen -
Du bist zur Arbeit ja gemacht!
Arbeite bis die Sinne schwinden!
Arbeite bis die Kraft versiegt!
Arbeite! - Wirst ja Ruhe finden,
Wenn dein Gebein im Grabe liegt.
Das Gedicht "Arbeite" stammt von Georg Weerth (1822 - 1856).
Analyse
Das Gedicht "Arbeite" (1844/45; Epoche des Vormärz) besteht aus 6 Strophen mit jeweils 4 Versen. Das Reimschema ist [abab], also ein Kreuzreim.
Ein festes Versmaß lässt sich nicht ausmachen, es handelt sich um ein gemischtes Metrum mit meist dreihebigem oder vierhebigem Rhythmus. Die Kadenzen sind abwechselnd weiblich und männlich.
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
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