Bet′ und arbeit′! ruft die Welt,

bete kurz! denn Zeit ist Geld.

An die Türe pocht die Not -

bete kurz! denn Zeit ist Brot.

 

Und du ackerst und du säst,

und du nietest und du nähst,

und du hämmerst und du spinnst -

sag′ o Volk, was du gewinnst!

 

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,

schürfst im Erz- und Kohlenschacht,

füllst des Überflusses Horn,

füllst es hoch mit Wein und Korn.

 

Doch wo ist dein Mahl bereit?

Doch wo ist dein Feierkleid?

Doch wo ist dein warmer Herd?

Doch wo ist dein scharfes Schwert?

 

Alles ist dein Werk! o sprich,

alles, aber nichts für dich!

Und von allem nur allein,

die du schmied′st die Kette dein?

 

Kette, die den Leib umstrickt,

die dem Geist die Flügel knickt,

die am Fuß des Kindes schon

klirrt - o Volk, das ist dein Lohn.

 

Was ihr hebt ans Sonnenlicht,

Schätze sind es für den Wicht;

was ihr webt, es ist der Fluch

für euch selbst - ins bunte Tuch.

 

Was ihr baut, kein schützend Dach

hat′s für euch und kein Gemach;

was ihr kleidet und beschuht,

tritt auf euch voll Übermut.

 

Menschenbienen, die Natur

gab sie euch den Honig nur?

Seht die Drohnen um euch her!

Habt ihr keinen Stachel mehr?

 

Mann der Arbeit, aufgewacht!

Und erkenne deine Macht!

Alle Räder stehen still,

wenn dein starker Arm es will.

 

Deiner Dränger Schar erblaßt,

wenn du, müde deiner Last,

in die Ecke lehnst den Pflug,

wenn du rufst: Es ist genug!

 

Brecht das Doppeljoch entzwei!

Brecht die Not der Sklaverei!

Brecht die Sklaverei der Not!

Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!


Das Gedicht "Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" stammt von   (1817 - 1875).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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