In großen Höhen zieht ein Wölkchen kaum.
Das Land liegt rings in zarter Helligkeit.
Am Horizonte in den Bergen weit
Ruht grün und rot der Abendwolken Saum.
Es ist, als lebte jeder kahle Baum.
Die Äste fassen in den Himmel breit.
Sie zittern in dem Licht vor Freudigkeit:
Des Frühlings Düfte ziehen durch den Raum,
Durch sonntagsstille Gassen. Manchmal weht
Ein Windhauch durch den Winkel und verfliegt
An blinde Scheiben klopfend. Manchmal geht
Der Fenster eins, das in den Blumen steht,
In erste Frühlingsblumen eingeschmiegt.
Es läßt den Abend ein und schließt sich spät.
Das Gedicht "Abende im Vorfrühling" stammt von Georg Heym (1887 - 1912).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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