Du siehst den Himmel sich mit Purpur schmücken,

Doch alsbald, wie herauf die Sterne steigen,

Sich hinterm Berg hinab den Purpur neigen,

Denn er verschmäht′s, mit ihnen sich zu sticken.

 

Soll ich das Herz mit seinem Haupte flicken? -

Wenn abends stolz sich die Gedanken zeigen,

Dann wird das Herz, krank, müd und todwundt, schweigen,

Sein flammend Mal entziehn den Zweifelblicken.

 

Nacht ist′s, ob tausend Stern am Himmel stehen,

nacht, trotz des Hauptes blitzenden Gedanken,

Tag, wenn vorm Frühlicht beide erst vergehen,

 

Wenn in des Morgens Purpur sie ertranken,

Das Herz läßt seine roten Fahnen wehen

Und in ihm unter die Gedanken sanken.


Das Gedicht "Abends" stammt von   (1817 - 1875).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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