Wol mich der stunde, daz ich si erkande,

diu mir den lîp und den muot hât betwungen,

Sît deich die sinne sô gar an si wande,

der si mich hât mit ir güete verdrungen.

Daz ich gescheiden von ir niht enkan,

daz hât ir schœne und ir güete gemachet,

und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.

 

Ich hân den muot und die sinne gewendet

an die reinen, die lieben, die guoten.

Daz müeze uns beiden wol werden volendet,

swes ich getar an ir hulde gemuoten.

Swaz ich noch vreuden zer werlde ie gewan,

daz hât ir schœne und ir güete gemachet,

und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.


Das Gedicht "Wol mich der stunde..." stammt von (* 1170-00-00, † 1230-00-00).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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