Muget ir schouwen was dem meien

wunders ist beschert?

seht an pfaffen, seht an leien,

wie daz allez vert.

grôz ist sîn gewalt:

ich enweiz obe er zouber künne:

swar er vert in sîner wünne,

dâ enist niemen alt.

 

Uns will schiere wol gelingen.

wir suln sîn gemeit,

tanzen lachen unde singen,

âne dörperheit.

wê wer wære unfrô?

sît di vogele alsô schône

singent in ir besten dône,

tuon wir ouch alsô!

 

Wol dir , meie, wie dû scheidest

allez âne haz!

wie dû walt und ouwe kleidest,

und die heide baz!

diu hât varwe mê.

"dû bist kurzer, ich bin langer",

alsô strîtents ûf dem anger,

bluomen unde klê.

 

Rôter munt, wie dû dich swachest!

lâ dîn lachen sîn.

scham dich daz dû mich an lachest

nâch dem schaden mîn.

ist daz wol getân?

owê sô verlorner stunde,

sol von minneclîchem munde

solch unminne ergân!

 

Daz mich, frouwe, an fröiden irret,

daz ist iuwer lîp.

an iu einer ez mir wirret,

ungenædic wîp.

wâ nemt ir den muot?

ir sît doch genâden rîche:

tuot ir mir ungnædeclîche,

sô sît ir niht guot.

 

Scheidet, vrouwe, mich von sorgen,

liebet mir die zît:

oder ich muoz an vreuden borgen.

daz ir sælic sît!

muget ir umbe sehen?

sich vreut al diu welt gemeine;

möhte mir von iu ein kleine

vreudelîn geschehen!


Das Gedicht "Muget ir schouwen..." stammt von (* 1170-00-00, † 1230-00-00).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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