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Babeno und Gabriele


treu nach einer Taschenbuch-Ballade von 1813

 

Schon lag die Nacht in tiefer Stille

Und feierlich auf der Natur,

Und sparsam aus der Wolkenhülle

Sah Luna nieder in die Flur.

 

Da trat Babeno - großer Ahnen

Ein Sprößling - unter′s Sternenzelt,

Hin zu den nächtlichen Balkanen,

Bis Liebchen ihn umschlungen hält.

 

Sie wandeln von dem Zephyrwinde

Umlispelt und mit ros′gem Sinn

Durch Silbertannen-Labyrinthe

Zu einem Felsenhügel hin.

 

Da war′s, wo sich um alte Trümmer

Von einer Burg nur Epheu schlang,

Und aus dem öden Felsenzimmer

Nichts, als der Eule Grablied drang.

 

Es blickte hin zu dem Gemäuer

Das Mägdlein voller Bangigkeit;

Am Fuß der Felsen ist′s geheuer,

Von oben zagt die Weiblichkeit.

 

Ach, sprach sie, grausig geh′n Gespenster

Dort oben auf der Ritter Grab,

Ein wilder Mann blickt aus dem Fenster

Der Höhe fürchterlich herab.

 

Die Todten ruh′n - so sprach Babeno,

Dort oben ist kein wilder Mann,

Der Menschen würgt. Komm, laß uns gehn o

Den sanftgewundnen Pfad hinan!

 

Sie wandelte durch schwarze Gänge

An ihn geschmiegt und minnetraut,

Dort in die hohe Felsenenge,

Wo Schreckniß den Ruin umgraut.

 

Hu da! - aus einer offnen Nische

Springt pfeilschnell eine Blutgestalt,

Die Jungfrau bebt in das Gebüsche,

Da ihr der Geist entgegenwallt.

 

Wer seid Ihr, daß Ihr mich zu stören

In diesen Stunden Euch erfrecht?

Des Frevels Sünde sollt ihr hören

Und fühlen, wie ein Geist sich rächt!

 

Sein Schwert zieht kühnlich stracks Babeno

Stürzt, aufgeregt von Heldenmuth,

Entgegen sich dem Nachtgespeno -

Der Unhold sinkt - es strömt sein Blut!

 

Und Todesangst umfaßt im Mieder

Des Mädchens Herz - der Seele los

Fällt es, vom Schlag getroffen, nieder

Auf′s mordumflossne Felsenmoos.

 

Da wirft Babeno weg den Stahle

Und eilt zu der zerstörten Braut; -

Ach, ausgerungen hat die Fahle,

Nur Todesschweiß umrinnt die Haut.

 

Wie? - Todt? - Du, meine Gabriele!

Gerechter Gott! - entrissen mir?

Ruft er und ringt empor die Seele,

Nein, Traute, mich trennt Nichts von dir!

 

Nicht Schicksal, nicht des Todes Pfeile

Entreißen mir dein treues Herz,

Ich folge dir -! Auf Erden heile

Nichts reiner Minne Trennungsschmerz.

 

Er sprach′s und nimmt das Schwert verletzlich,

Das noch vom Blut des Unholds raucht,

Durchbohrt die treue Brust, und plötzlich

Ist seine Seele schon verhaucht.

 

So starb Baben′ und Gabriele,

Erfüllend ihrer Ahnen Fluch;

Am Grab schlug eine Philomele,

Und nicht vertrieb sie der Geruch.



(* 02.02.1827, † 02.02.1892)




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