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Außerordentliche Professoren-Dichtung


1.

 

Wenn dich der Menschheit Jammer faßt,

So lasse dir zum Troste sagen,

Der Seelenlebensschiffsbalast

Muß dich nach dem Polarstern tragen -

Dixi et animam salvavi.

 

Die Felsenwahrheit wird sobald

Nicht fallen vor der Nacht des Schnöden,

Denn Sonnenklarheit ist entprallt

Dem Silberschild des Urkomöden -

Dixi et animam salvavi.

 

Der Nichtsinn ist der Kehrblick oft

Des Sinns; in falschen Göttern gleißet

Die Menge, weil sie Unsinn hofft,

Den Genius aber kothbeschmeißet -

Dixi et animam salvavi.

 

2.

 

So groß du bist, unendlich weite Welt,

Du vor dir selbst erschreckender Koloß,

Du bist doch nur, wofür der Mensch dich hält,

Dem Großen klein und nur dem Kleinen groß.

Erfahre du, nach reiflichster Betrachtung,

Geistlose, meine gündlichste Verachtung.

 

Man sagt, ein Gott hat dich aus Nichts gemacht,

Wahr muß es sein, noch heut′ bezeugt′s der Schlamm;

Was bist du? Nichts. Mit diesem Fluch bedacht:

Der Apfel fällt nicht weit von seinem Stamm.

Des Menschengeists erhebendes Bewußtsein,

Es sollte dir ein ewiger Verlust sein.

 

Einst betete im Bett des alten Nil

Das blöde Volk dich, Welt, mit Inbrunst an,

Mit dem Begriffe trieb es Affenspiel,

Indeß um Wahrheit sich verzehrt der Mann.

Dem Raum, dem Stoff, in schmutziger Bethörung,

Erwies der Wahnmensch göttliche Verehrung.

 

Es ist genug. Die frische Gegenwart

Entriß sich längst dem schnöden Gängelband,

Von der Natur in finstrer Zeit genarrt,

Hat sich der Mensch zum Höheren gewandt.

Und sieh! In wissenschaftlicher Verkunstung

Entflieht er fröhlich alles Seins Umdunstung.

 

Ein Popanz warst du, Welt, von Anbeginn,

O, man durchschaut jetzt den berühmten Lauf!

Du bist erkannt, Geheimnißkrämerin,

Copernicus hob dir den Schleier auf.

Noch hundert Jahr′ und auf des Archimedes

Weltmordpunkt steht von unsern Kindern Jedes.

 

Ha, schauder′ vor dir selbst, Erbärmliche,

An uns′rer Gnade zappelst du nur noch,

Nur eine Galgenfrist, rein förmliche,

Und du erfüllst nicht mehr das eitle Loch.

Bis dahin brüste dich, als Somnambüle,

In deines Nichts durchbohrendem Gefühle!



(* 02.02.1827, † 02.02.1892)




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