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Liebesfeuer, ewige Flammen


1.

 

Du liebst mich, Schaz-Rosille,

mehr als dein eigen Herz,

mein Wollen ist dein Wille,

mein Wiedersinn dein Schmerz.

 

2.

 

Du schleust mich mit viel küssen

Fest in die Armen ein

und lässest mich nicht wissen,

was nur vergunnt mag sein.

 

3.

 

Ist aber diß die Flammen

zuleschen gnug, mein Kind,

sie schlagen mehr zusammen

und lodern in den Wind.

 

4.

 

Die Flucht kann Feuer tödten

lescht was die Gluht verlezzt:

Je mehr komm′ ich in Nöhten,

ie mehr dein Mund mich nezzt.

 

5.

 

O dem betrübtem Stande!

das kränkt mich, was mich süßt,

wird nu der Tau zum Brande,

der durch die Lippen fliegt.

 

6.

 

Die heisse Donner-straalen,

so schweer zu leschen sein,

kann man doch offtermahlen

mit Wasser kühlen ein.

 

7.

 

Mein unaußleschlich Feuer

erkennet keine Wehr,

kehm Thetis mir zu steuer

und göß′ auff mich ihr Meer.

 

8.

 

Jedoch würd′ aus den Wellen

die Flamme schlagen für,

es würden seine Quellen

vertrögen über ihr.

 

9.

 

Du köntest mir noch mindern

mein Seelchen, diese Brunst

und seine Gluhten lindern

durch nähre Liebes-gunst.

 

10.

 

Was? näher? nicht. Wir kennen

der Ehr und Tugend Schein.

Eh wolt′ ich ganz verbrennen,

als so geleschet sein.



(* 02.08.1632, † 24.06.1707)




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