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Verlust und Ersatz


Was ich eigen je besessen,

Was ich spähend fern gewahrt,

Was, auf rauh umstürmter Fahrt,

Aus dem tiefsten Grund der Wogen

Wagend ich herausgezogen,

Jede Perle, jede Blüthe,

Jede Frucht, die golden glühte,

Jede Knospe meines Strebens,

Blume, Mark und Kern des Lebens

Gab ich für die Liebe hin –

Und es däuchte mir Gewinn!

 

Mit dem reich beladnen Schiffe,

Das die Himmlische mir trug,

Fuhr ich hin im stolzen Flug!

Jubelnd schwamm ich in dem hellen

Strahle meines Glücks; die Wellen

Schmiegten sich zu meinen Füßen,

Sklaven, ihren Herrn zu grüßen;

Jauchzend scholl's aus allen Tiefen,

Tausend Geisterstimmen riefen:

»Heil! o Heil! – Ihr Winde, ruht,

Eine Göttin trägt die Fluth!« –

 

Ach! umsonst! Es ist gewesen!

Schnell zerronnen ist der Traum,

Und die Göttin wieder Schaum! – –

Ausgelöscht sah ich die Sterne –

Immer weiter in die Ferne

Schwand das Ufer – wild und wilder

Jagten sich die Wolkenbilder –

Aus der Höhe zuckten Flammen –

Krachend stürzt das Schiff zusammen!

Aermer bin ich nun als arm,

Ueberreich an Qual und Harm!

 

Nun, wohlan – so sey's verloren!

Fahre wohl, du Maienzeit

Seliger Vergangenheit! –

Aber Ihm, dem nichts geblieben,

Weil er Alles für sein Lieben

Tauschte, Götter, eine Gabe

Gebt für die verlorne Habe!

Senkt die Friedenstaube nieder,

Daß ihr fächelndes Gefieder

Kühle seiner Stirne Gluth,

Trockne seiner Thränen Fluth!

 

Gebt, daß mit der Kraft des Liedes,

Was das Leben ihm geraubt,

Träume, die sein Herz geglaubt,

Er vermöge fest zu halten;

Laßt die zaubrischen Gestalten,

Ob er nie sie auch umfange,

Doch ihm winken im Gesange!

Ob auch leer um ihn die Räume,

Laßt die Schatten seiner Träume;

Gebt ihm so für trübes Seyn

Bess'res Glück – den holden Schein!



(* 28.02.1790, † 16.03.1862)




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