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Scheue Liebe


Oft schon wollt' ich kühn es wagen:

Meine Lieb' ihr zu bekennen,

Wunsch und Sehnen ihr zu nennen,

Aber immer stumm und ferne

Hielt mich unbekanntes Zagen!

Rauh sind Worte! Es zu sagen,

Möcht' ich keine Sprache brauchen;

Leis' in Klänge möcht' ich's hauchen,

Nur in Hauchen möcht' ich's klagen!

Spräch' zu ihr das Licht der Sterne,

Wäre Red' in Blumendüften,

Süße Wort' in linden Lüften,

Rief' ich's ihr entgegen gerne.

Worte würden sie erschrecken,

Und doch möcht' ich, daß sie's wüßte! –

Ihren Zorn fürcht' ich zu wecken,

Daß ich hart es büßen müßte! –

Nun, so sprechet denn, ihr Augen,

Mit den demuthvollsten Blicken;

Scheue Liebe auszudrücken,

Stumme Wünsch' und furchtsam Zagen,

Sollt' ihr ja am besten taugen. –



(* 28.02.1790, † 16.03.1862)




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