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Mariechen


Mariechen saß am Rocken,

Im Grase schlummert ihr Kind;

Durch ihre schwarzen Locken

Weht kühl der Abendwind.

 

Sie saß so sinnend, so traurig,

So ernst und geisterbleich;

Dunkle Wolken zogen schaurig,

Und Wellen schlug der Teich.

 

Der Reiher kreist über dem Rohre,

Die Möve streift wild umher,

Der Staub fegt wirbelnd am Wege,

Schon fielen die Tropfen schwer.

 

Und schwer von Mariechens Wangen

Die heiße Thräne rinnt,

Und weinend in ihre Arme

Schließt sie ihr schlummernd Kind.

 

Wie schläfst Du so ruhig und träumest,

Du armer, verlassner Wurm!

Es donnert, die Tropfen fallen,

Die Bäume schüttelt der Sturm!

 

Dein Vater hat Dich vergessen,

Dich und die Mutter Dein;

Du bist, Du armer Waise,

Auf der weiten Erde allein!

 

Dein Vater lebt lustig in Freuden;

Gott laß es ihm wohl ergehn;

Es weiß nichts von uns Beiden,

Will Dich und mich nicht sehn!

 

Und stürz' ich, während Du schlummerst,

Mit Dir in den tiefen See,

Dann sind wir Beide geborgen,

Vorüber ist Gram und Weh! –

 

Da öffnet das Kind die Augen,

Blickt freundlich auf und lacht;

Die Mutter schluchzt und preßt es

An ihre Brust mit Macht!

 

Nein, nein! wir wollen leben,

Wir Beide, Du und ich!

Deinem Vater sey vergeben, –

Wie selig macht er mich! –



(* 28.02.1790, † 16.03.1862)




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