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In trüben Tagen


Ihr werthen, lieben Gesellen,

Wir leben in düstrer Zeit,

Der Himmel ist schwarz umzogen

Mit Dunkel weit und breit.

 

Kein Strahl will ihn erhellen,

Es theilt die Wolken, dicht,

Die nächtlich ihn umwogen,

Kein Schimmer von freudigem Licht.

 

Es ist der Frühling gekommen,

Doch wollen die Bäume nicht blühn,

Kein Blümlein ist aufgeglommen,

Es werden die Wiesen nicht grün!

 

Das macht, es fehlt die Sonne

Mit ihrem warmen Schein,

Die Quell ist aller Wonne,

Die zeugt und belebt allein;

 

Und dringt auch ein Schimmer im Weiten

Hervor aus dem Dunkel, im Nu

Die Wolken darüber gleiten

Und decken ihn wieder zu.

 

So sitzen wir trauernd beisammen,

In öder, in schauriger Nacht,

Und spähn, ob die leuchtenden Flammen

Auf den Bergen umher nicht erwacht.

 

Und nirgend will es noch tagen,

Rings lastet das Dunkel noch schwer;

Die Herzen wollen verzagen,

Denn finstrer wird′s als vorher!

 

Drum eilet, die Saiten zu schlagen,

Erhellet die Nacht mit Gesang,

Dann wird auch den Scheuen und Zagen

Im finsteren Schatten nicht bang.

 

Schließt fester im Ring Euch zusammen,

Ihr edlen Sänger, so werth,

Ihr habt ja mit himmlischen Flammen,

Den glühenden Busen genährt.

 

So sprühet im freien Gesange

Die reine, die heilige Gluth,

Und bei dem gefeierten Klange

Erstarke das Recht und der Muth!



(* 28.02.1790, † 16.03.1862)




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